Eine Reise ohne Plan und vieles mehr.

27 Jul

Mitte Juni habe ich mir meine Haare zu Rastazöpfen flechten lassen, was wirklich eine Tortour war. Insgesamt bin ich 14 Std. am Boden gesessen und Mama Zawadi aus unserem Dorf hat an mir herum geflochten. Fast drei Packungen Kunsthaar später hatte ich ca. 300 Rastas auf meinem Kopf. Es war eine lustige Aktion, doch nach 1 ½ Wochen, mit nur sporadischer Haarwäsche, ging mir die gewöhnungsbedürftige Haarpracht dann doch auf die Nerven.

Die ungeplante Reiseroute

Die ungeplante Reiseroute

In der letzten Juniwoche starteten meine Mitbewohnerin Annika und ich unsere große Touri – Reise. Alle behaupteten immer in Tansania gebe es so viele wilde Tiere, davon haben wir bisher, außer ein paar streunenden Affen in Dar es Salaam, noch nichts mitbekommen. So ging es ohne konkreten Plan und ohne Reiseführer (das Teil wiegt bestimmt über ein Kilo!!) los.

Unsere erste Etappe war Mwanza am Victoriasee. Da wir am gleichen Tag wie unser Diözesenoberhaupt, Bischof Severin, starten wollten, durften wir eine Luxusfahrt in seinem Auto genießen. Mit einem Fahrer ging es also sehr komfortabel am Morgen in Ngara los, unser Mentor Father Denis hat uns zuvor von Rulenge aus dorthin gebracht. In der zweitgrößten Stadt Tansanias konnten wir nach langer Zeit „big city life“ erleben und hatten die Chance viele, in den ersten zwei Wochen in Tansania, gewonnenen Freunde wieder zu treffen. Einen Tag verbrachten wir bei Mama Kilala, die uns zu Beginn in ihre Obhut genommen hat. Es war wirklich sehr interessant mir ihr zu sprechen und festzustellen, dass wir ihr jetzt in vielen Punkten zustimmen müssen.

Sonne genießen am Victoriasee, Mwanza

Sonne genießen am Victoriasee, Mwanza

Unsere Reise ging nach drei Nächten weiter nach Arusha, was eigentlich nur 6 Std. entfernt liegt, da aber der Nationalpark Serengeti nicht durchfahren werden darf, muss ein Umweg genommen werden und die Fahrt erstreckt sich dann leider über einen ganzen Tag. Am Abend, als wir dann endlich in Arusha angekommen waren, erwartete uns unser Freund und ehemaliger Sprachlehrer Sospeter, der momentan zwecks Arbeitssuche in Arusha wohnt. Bei einem leckerem Chips Mayai und einer Soda ließen wir den Abend ausklingen. Am nächsten Morgen ging es früh zu einer Safari-Agentur um unsere Tour zu besprechen. Sospeter hatte bereits verschiedene Angebote für uns eingeholt, so konnten wir gleich einen Tag später starten. Die nächsten drei Tage waren wirklich toll und eine Erfahrung wert. Wir besichtigten das Dorf „Mto wa Mbu“, was übersetzt „Fluss der Mücke“ heißt und die zwei darauf folgenen Tage ging es in zwei Nationalparks. Zuerst ging es in die Ngorogoro Conservation Area, einen eingestürzten Vulkan, der die höchste Raubtierdichte Afrikas aufzuweisen hat. Am Tag danach entdeckten wir noch den Lake Manyara Nationalpark für uns. Wir haben wirklich viele Tiere gesehen, ich lasse einfach Bilder für sich sprechen.

Im Zoo sind Tiere eingesperrt und Menschen laufen frei herum,
in Afrika auf einer Safari sind die Menschen in den Autos eingesperrt und die Tiere frei.

Nationalpark Lake Manyara

Giraffe

Ngorogoro Krater

 

Unsere nächster Halt sollte Moshi sein, die Stadt am Fuße des Mount Kilimandscharo.
Sospeter begleitete und für einen Tag, er hatte dort seine Lehrerausbildung genossen und kannte sich deshalb bestens aus. Aber im der Stadt selbst blieben wir nicht, sondern wir fuhren noch mit einem Dalla-Dalla nach Marangu weiter, einem kleinen Dorf, das auch Ausgangspunkt für die Besteigung des höchsten Bergs Afrikas ist. Leider hatten wir Pech und das Wolken- und Nebelkleid hat sich nicht während des Tages aufgelöst, so konnten wir die Bergspitze nicht sehen. Eine Wanderung zu Wasserfällen durch die atemberaubend schöne Natur stand jedoch auf unserem Programm.


Wasserfall in Marangu
Am Abend aßen wir noch zusammen mit Sospeter und verabschiedeten uns dann schon von ihm, da er noch zurück nach Arusha musste. Wir schliefen eine Nacht in Moshi, und am nächsten Tag ging es dann schon nach Tanga.

Die lange Busfahrt überbrückte ich mit dem Entflechten meiner Haare, nach ca. 9 Std. kamen wir dann in der ehemaligen, deutschen Kolonialhauptstadt an. Direkt am Busbahnhof lernten wir Shorti kennen (er heißt so weil er so klein ist, er war wirklich geradezu mini), der uns ein local Guesthouse vermittelte und uns dann gleich noch zu anderen Weißen führte. In Tanga gibt es auch weltwärts-Freiwillige, die mit dem Roten Kreuz ihren entwicklungspolitischen Freiwilligendienst hier in Tansania leisten. So hatten wir vier schöne Tage in Tanga mit den anderen Volunteers, dem traurigen Ausgang der Fußball-EM für unser Nationalteam, einen tollen Strand im Yachtclub, usw. Ich habe mir an einer rostigen Badeinsel eine tiefe Schnittwunde am Knie zugezogen (daraus folgte mein 1. Krankenhausbesuch in Tansania – nicht spektakulär) und wir lernten weiße Afrikaner kennen. Das waren Jugendliche, die hier in Tansania aufgewachsen sind, z.B. als Kinder von Entwicklungshelfern, und perfekt Kiswahili sprechen, jedoch eine internationale Schulbildung genossen haben. Es war wirklich super interessant sich mit ihnen über die kulturellen Unterschiede auszutauschen und einfach über ihr Leben in der Highsociety von Dar es Salaam zu sprechen. Ein weiteres Highlight in Tanga war eine Fahrradtour mit Danny, es ging in die 8 km entfernten Amboni Caves, das größte Höhlensystem Ostafrikas, das sich zum teil sogar bis nach Mombasa, Kenia erstrecken soll. Dort besichtigten wir zwei große Haupthöhlen, die auch von den Einheimischen immer noch als eine Art Altar verstanden werden. Opfergaben wie kleine Flaschen mit Ölen, Düfte, Kräuter, Geld, Lebensmittel und so weiter werden ausgelegt. Außerdem war die unwahrscheinlich große Fledermauspopulation, die wir immer wieder durch unser Taschenlampenlicht aufschreckten, sehenswert. Anschließend ging es noch zu den Sulphur Springs, diesen stark schwefelhaltigen Quellen wird eine heilende Wirkung zugesprochen. Auf dem Weg dort hin überquerten wir noch einen Fluss mit einem Einbaumboot und kletterten auf eine Palmen – in dieser Gegend es wunderschön anzusehende Palmenhaine.

Weiter ging´s dann von Tanga aus, mit einem kurzen Zwischenstopp in Dar es Salaam, nach Sansibar. Dort habe ich Silvester am Oststrand verbracht. Dieses mal sollte es aber an den Nord-Strand gehen – Ja, Sansibar war und ist immer noch wunderbar!!!
Nach einer tollen Woche mit weißem Strand und klarem, blauen Meer ging es dann wieder zurück nach Rulenge. Die Heimfahrt war leider eine einzige dramatische Prozedur, da Annika und ich beide etwas Schlechtes gegessen hatten und wir von Magen-Darm-Problemen geplagt wurden. Da waren wir beide heilfroh wieder zu Hause in Rulenge angekommen zu sein.

Im Waisenhaus sind endlich noch die langersehnten Schränke geliefert worden. So konnten Simone und ich uns noch einmal voll in die Arbeit stürzen und den Storage komplett durchsortieren und aufräumen. Eine Woche haben wir gebraucht um uns durch das Chaos zu kämpfen, aber wir haben es geschafft, jetzt fehlen nur noch die Labels für die Schränke. Ich hoffe das die Schwestern wenigstens versuchen Ordnung zu halten, damit tun sie sich sehr schwer.
Außerdem sind die ganzen Spielsachen jetzt nicht mehr vor den Kindern weggesperrt, sondern gut zugänglich in einem extra Spieleschrank untergebracht.
Wirklich wunderbar – ich hoffe die Kinder haben in Zukunft auch die Möglichkeit mit den vorhandenen Spielsachen zu spielen.

Das Regenhaus ist nun auch schon so gut wie fertig, die Arbeiter haben wirklich tolle Arbeit geleistet, nur so konnte dieses Projekt verwirklicht werden. Bis auf eine dreitägige Pause (Eine Schwester aus dem FSSB-Orden ist nach einer Blinddarm-OP leider verstorben, deshalb herrschte Ausnahmezustand bei uns im Dorf. Die 6-stündige Beerdigung sollte es nicht gewesen sein, viele arbeiteten auch drei Tage nicht. Ich denke so wurde die Trauer zum Ausdruck gebracht) wurde zügig durchgearbeitet.

Letzten Freitag hatten wir fünf Volunteers mit unserem Mentor Denis eine Evaluation abgehalten, wir haben unser gemeinsames Jahr noch einmal Revue passieren lassen. Abends gab es zum Abschluss noch ein großes Essen in Denis´ Haus. Unglaublicherweise bin ich in einer Woche schon wieder zurück in Deutschland, deshalb wird das mein letzter Blogeintrag gewesen sein.

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Wasser und Strom

15 Jun
Toilettenhäuschen mit einem Papayabaum im Vordergrund

Toilettenhäuschen mit einem Papayabaum im Vordergrund

In Rulenge gibt es keine zentrale Strom- und Wasserversorgung, so hat eigentlich fast kein Haus einen Wasser- und Abwasseranschluss. Und wirklich kein Haus hat 24/7 Strom zur Verfügung.
Im Gegensatz zur normalen Dorfbevölkerung bewohne ich mit meinen drei Mitbewohnern ein „Luxushaus“, denn Dusche und Toilette im Haus zu haben ist nicht der Regelfall.

Unser Wasser das wir täglich verwenden ist einfach aufgefangenes Regenwasser, für den Fall das es lange nicht regnet (im Moment ist die Trockenzeit im vollgen Gange, es hat eigentlich seit 3 Wochen keine Tropfen mehr geregnet) haben wir noch eine Art Pool, der von großen Bambusbüschen umgeben ist, von dem aus Wasser zu der Parish mit einem Generator hochgepumpt werden kann. Ein Warmwassersystem gibt es nicht, wenn ich mir ein warmes Fußbad gönne muss ich das Wasser an unserem Gasherd erhitzen. Nach fast einem ganzen Jahr mit kalter Dusche sollte man meinen man gewöhnt sich daran, dem ist aber in meinem Fall nicht so. Ich freue mich also wirklich wieder auf´s warme Duschen.

unser Wasserfilter

unser Wasserfilter

Unser Trinkwasser kochen wir nicht ab, wir haben einen anderes System, gleich am Anfang unseres Aufenthaltes, für uns entdeckt. Wir filtern das Wasser durch einen Tonkrug, wirklich eine super Methode um leckeres, klares Trinkwasser zu bekommen. Das Wasser das hier oft aus der Leitung kommt hat mit Reinheit nicht viel gemein.
Im Waisenhaus und auch in den anderen Familien wird das Trinkwasser einfach auf Kohlekochern abgekocht. Da bin ich froh das wir das nicht machen müssen, da das Wasser durch das offene Feuer immer einen rauchigen Beigeschmack behält.
Eine lustige Geschichte zum Thema Wasser ist noch, dass uns eigentlich jeden Samstag das Wasser abgestellt wird.
Im Rahmen des Kommunionunterrichts müssen viele Dorfkinder nämlich um unser Haus herum fegen und das Gras mit kleinen Sicheln abmähen. Sie machen sich dabei wöchentlich einen Spaß daraus an der offen liegenden Wasserleitung herumzuschrauben. Nicht weiter schlimm; nach ein paar verwunderten Wassernotrn, bei unserem Mentor Denis am Anfang unserer Zeit hier, konnten wir seitdem immer selbst das Wasser wieder andrehen. Auf die Frage hin was denn diese Gartenarbeit mit der Vorbereitung zur 1. Hl. Kommunion zu tun habe, antwortete Denis, das gehöre nun mal auch dazu. Kleine Pappschäfchen und Weinreben werden hier zur Kommunionvorbereitung also nicht gebastelt.

Für die Versorgung mit Strom gibt es bei mir auf dem Parishgelände zwei Möglichkeiten. Einmal wären da die Solarplatten mit den angeschlossenen Batterien und zum anderen der Stromgenerator. Der Strom ist sehr schwach und mein Laptop hat durch die ständige belastung durch das An- und Ausgehen des Stromes mittlerweile eine bemitleidenswerde Akkuleistung von 15 min. Aus unseren Steckdosen kommt jeden Abend für zwei Stunden Strom, in dieser Zeit können wir auch alle Lampen im Haus nutzen. Nach 22 Uhr, haben wir jedoch nur noch eine Lampe im Esszimmer und eine im Wohnzimmer zur Verfügung, d.h. nach 10 Uhr ist duschen, der Toilettengang, Zähne putzen, Lesen im Bett, usw. nur noch mit Kerzenlicht oder Taschenlampe möglich.

In Rulenge gibt es, wie schon gesagt, noch keine zentrale Stromversorgung, obwohl schon seit Jahren von den Politikern Vorschritte versprochen werden. In Ngara, der nächstgelegenen Stadt, gibt es eine zentrale Stromversorgung, diese wird über riesige Generatoren aufrecht erhalten. Unglaublicherweise wird hier eine ganze Stadt (ca. 20.000 Einwohner) mit Strom durch die Verbrennung von Erdöl versorgt. Die Einwohner können sich mit Prepaid-Karten wie beim Handy, Stromguthaben kaufen und nutzen. Diese Methode ist einfach auch deshalb so beliebt, da nur wenige ein Bankkonto besitzen von dem monatlich die Summe für den verbrauchten Strom abgezogen werden kann.

Eine runde Sache.

14 Jun

Fußball.

Tansania ist ein unglaublich fußballbegeistertes Land.

Arsenal London, Chelsea, Liverpool und Real Madrid sind hier in aller Munde.
Ein Auto ohne Fanaufkleber ist kein vollwertiges Auto ;).
Auch Rulenge hat einen großen Sportplatz (ein Fußballfeld). Jeden Tag ist abends Training und am Wochenende eigentlich immer ein Spiel. Lustig da bei ist, das der Spielfeldseitenwechsel nach der Halbzeit hier wirklich angebracht ist, da der Platz eine sichtbare Schräge aufweist.

 

Auch in Tansania, in Rulenge, habe ich die Möglichkeit die EM zu verfolgen.

So habe ich den letzten Samstag in unserer LoveBar verbracht, dort werden alle Spiele übertragen und mit einem kleinen Unkostenbeitrag über 500tsh (die Bar verfügt über pay-TV) darf man sich auch in einem der Plastikstühle vor dem Fernsehr fallen lassen.

Simone und ich wurden von einem Freund leider falsch informiert, waren deshalb über 2 Stunden zu früh in der Bar. So mussten wir also noch einige Zeit warten. Zum Glück trafen wir noch ein paar Freunde (unter anderem Dixon, der bei uns am Gelände arbeitet und leider nur Kiswahili spricht) und da wir ja nichts zu tun hatten bestellten wir uns Chips Mayai (= Rührei mit Kartoffelecken), Mishikaki (= Fleischspieße mit 4 kleinen Stückchen Ziegen- oder Rindfleich) und Soda. Das geht immer und ist superlecker, jedoch aber auch das einzige Gericht das man dort überhaupt bekommen kann. Um 09.45 Uhr startete dann endlich unsere Partie. Schon nach kurzer Zeit vor dem TV fielen uns einige Dinge auf:
Simone und ich waren die einzigen Weißen (okay, das ist jetzt nun wirklich nichts Besonderes), Simone und ich waren die einzigen anwesenden Frauen,
und
Simone und ich waren die Einzigen die auf einen deutschen Sieg gehofft haben.

Gott sei Dank haben wir gewonnen!! Das Tor haben wir Gott sei Dank gesehen – hatten schon Angst es fällt eins während der Strom weg war (zwei mal gab es einen kurzen Stromausfall); in diesen Minuten sitzt man schon auf heißen Kohlen, ob ein Tor fällt oder nicht und wenn ja für wen ;-).

 

Arbeit.

Im „AngelsHome“ geht es im Moment super voran. Das Regendach das wir von den vielen Spendengeldern in Auftrag geben konnten, ist schon fast fertig, bis auf das Dach. Es hat sich nämlich herausgestellt, da es mehr ein offenes Regenhaus als ein Regendach wird. Ich finde das aber wirklich klug überlegt, da der nächste afrikanische Regen nicht gleich wieder alles einstürzen lassen soll. Ich bin schon immer fleißig am Bilder machen und unser Mentor Father Denis übernimmt die Bauaufsicht.

 

 

 

Potpourri: Religion und Aberglaube

24 Apr

Mungu akipenda“ (So Gott will.)

Religion hat einen bedeutend hohen Stellenwert in Tanzania, dennoch gibt es keine Staatsreligion. Tansaner legen besonderen Wert darauf, dass sie durch ihre Nationalität verbunden sind und nicht durch Stammes- und Religionszugehörigkeiten.

In diesem kurzen Essay möchte ich über den Glauben hier im Land schreiben.

Die beiden dominierenden Glaubensrichtungen, sind der Islam (ca. 30%) und das Christentum (ca. 40%, halb katholisch, halb protestantisch). Diese Gruppen teilen sich die Bevölkerung mit traditionellen Religionen „Stammesreligionen“ (30%).

Sansibar (die große Ausnahme) ist zu 95% muslimisch, grenzt sich hier also deutlich vom tansanischen Festland ab.

Zur Geschichte der Missionierung: 1107 wird das erste Mal in einem Schriftstück der Islam erwähnt, erst nach der Ankunft der Portugiesen im Jahre 1502, kommt das Christentum nach Tansania. Dieser erste Missionierungsversuch scheiterte jedoch. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die Kolonialisten und brachten die christlichen Missionare mit.

Zu Beginn war die Beziehung zwischen dem Christentum und dem Islam sehr angespannt, begonnen haben die Differenzen, als die Missionare Sklaven der Muslime freigekauft und christlich erzogen haben.

Das Christentum hat sich von da an aber äußerst schnell verbreitet, da an den Kirchen oft Krankenhäuser (ca. 50% der medizinischen Einrichtungen werden immer noch von der christlichen Kirche getragen) und Schulen mit angegliedert waren, die die Lebensqualität der Menschen im Busch natürlich sehr verbessert haben.

Auch bei mir in Rulenge wird das hiesige Krankenhaus „The Holy Christ“ von der Diözese geleitet.

Von Europa aus finanziert hat sich ein großes Kirchennetz über Tansania gelegt, das meist von Ordensgemeinschaften betrieben wird.

Um wieder ein Beispiel aus meinem Wohnort Rulenge zu bringen; der FSSB-Orden hat seinen Hauptsitz in Rulenge und eine Abtei der Schwestern zur Mutter Teresa findet man hier ebenfalls.

Mittlerweile rühmt sich Tansania aber mit Recht ein religiös sehr offenes Land zu sein, hier ist auch ganz interessant anzumerken, das interreligiöse Hochzeiten keine Seltenheit sind und das auch deshalb 2/3 der Großfamilien interreligiös sind. (Die Religion des Vaters hat beim Nachwuchs aber Vorrang.)

 

Meine persönlichen Erfahrungen in der kirchlichen Gemeinschaft hier in Rulenge haben sich als eher ernüchternd erwiesen. Zwei Dinge sind mir dabei besonders aufgefallen, zum einen dominiert ein einfacher Kinderglaube (bei der „normalen Bevölkerung“; Priester und Ordensschwestern sind durchaus religiös gebildet) und zum anderen ist der Satz „Tansaner glauben alle an Gott, aber noch mehr glauben sie an Geister.“ Realität.

So sind wir auch schon bei der Thematik des Aberglaubens angelangt. Der Glaube an Geister, Hexen und Zauberkraft ist allgegenwärtig, Rulenge nicht ausgeschlossen. Trotzdem sind sie, z.B. die rulengische Bevölkerung katholisch und gehen sonntäglich in die Messe. Aber zwecks Anliegen wie Tod, Krankheit, gute Ernten, Gesundheit und die Arbeitsstelle wird dann doch oftmals noch ein mganga („witchdoctor“) herangezogen. Gruselige Schauermärchen kommen mir so immer wieder zu Ohren. Massaker an Albinos, Verstümmelung und Ermordung, die Tötung von Menschen und das anschließende Herausnehmen von Organen (diese werden für traditionelle Rituale und Zauber benötigt) – sind leider simple Geldmacherei von den Hexendoktoren (die aber auch oftmals selbst daran glauben, aber die Realität.

Wie so oft, ist die mangelnde Bildung ein großer ausschlaggebender Faktor für die Ausführung solcher schlimmen Rituale. Bis diese menschenverachtenden Praktiken ausgelöscht werden, werden noch viele Generationen vergehen müssen.

Arbeits- (Spenden)- update

23 Apr

Schon vor meinem Afrikaaufenthalt und auch während der Zeit die ich bisher hier verbracht habe, habe ich einiges an Spendengeldern zusammenbekommen.

Jetzt endlich werden kleine Projekte gestartet.
Ich habe mir sehr viel Zeit für das Einleben und die Beobachtung genommen – ich möchte das die Spenden nicht vergeudet werden; so muss man auch ein Adlerauge auf jeden Cent haben, ich lebe hier in einem der ärmsten Gegenden Tansanias, leider werden wir Weiße deshalb oft mit ungemeinen Reichtum verbunden. Korruption und „eating money“ ist hier sehr weit verbreitet.

 

Nach einem langen Sonntagsmeeting (endlich!) mit unserem Mentor Father Denis (er fundierte vor allem als Berater und als sprachliche Brücke zwischen Englisch und Kiswahili), den verantwortlichen Schwestern des AngelsHome, Simone und mir steht jetzt eine kleine Agenda fest, die es abzuarbeiten gilt.

Wir planen ein großes Regendach im Garten zu bauen unter dem die täglich anfallenden Wäschemassen getrocknet werden können (Hintergrund: Da es im Waisenhaus keinen überdachten Platz zum Wäschetrocknen gibt, wird die Wäsche regelmäßig nass geregnet und so ist zum Beispiel in der Regenzeit Windel- und Kleidungsknappheit vorhersehbar, jedoch nicht abwendbar).

Außerdem haben wir beschlossen ein Spielzimmer für die Kinder einzurichten, während der Regenzeit können diese das Haus nur selten verlassen, so sind sie im Haus auf engen Raum zusammengepfercht und haben keinen Zugang zu Indoor-Spielsachen – das wollen wir ändern. Dafür haben wir schon einige Möbel (Kinderstühle, Tisch, Kommode, Schrank) bei einem lokalen Schreiner in Auftrag gegeben.

Anfangs machten wir uns auch noch Gedanken das wir ja sehr viel Spielzeug kaufen müssen, mittlerweile haben wir festgestellt, das das gar nicht nötig sein wird. Simone und ich haben uns das Recht erkämpft mehr als nur einen Einblick in den „sagenumwobenen“ Storage zu bekommen, wir haben ihn also komplett auf den Kopf gestellt und in dem Chaos einen ganzen Kindergarten entdeckt, der seit Jahren hinter verschlossener Tür schlummert. Immer wieder haben Spender aus der ganzen Welt Spielsachen und Kleidung jeglicher Art ins Waisenhaus nach Rulenge gebracht mit der Absicht den Kindern etwas Gutes zu tun, leider wurden die Sachen von den Schwestern immer gleich weggesperrt, so haben die Kinder die Spiele oft noch gar nicht zu Gesicht bekommen.

Eine Woche haben wir gebraucht um den Lagerraum aufzuräumen, schön nach deutscher Manier haben wir am Ende natürlich alles schön beschriftet, die Anfangs sehr skeptischen Schwestern waren am Ende begeistert. (Ich bin schon gespannt wie lange der Store im „aufgeräumten“ Zustand bleibt.)

Ich hoffe den Kinder kann dadurch geholfen werden, ebenso erhoffe ich mir das auch alles verwirklicht werden kann, den Rückschläge sind vorprogrammiert (Tansaner haben einfach eine andere Logik als wir 🙂 ) – trotzdem habe ich natürlich eine positive Einstellung zu den Aktionen und mit einem gewissen Ehrgeiz und Durchhaltevermögen werden Simone und ich gemeinsam bestimmt Vieles verwirklichen können.

Heri ya Pasaka – Frohe Ostern

9 Apr

Das verlängerte Osterwochenende verging wie im Flug.
Ich möchte euch kurz von den letzten fünf Tagen berichten.
Morgen geht es schon wieder in die Arbeit, aber ich freue mich darauf, es ist ja schließlich nur eine kurze Woche…

Am Gründonnerstag startete unsere Osterzelebration mit einem 2-stündigen Gottesdienst, danach durften wir zusammen mit Father Denis und dessen neuen Schützlingen (Priesteranwärter) beim nachgespielten Auszug aus Ägypten von den Schwestern teilnehmen. Es war ein sehr schöner Abend, wir sangen viele Lieder, hörten die Lesung und hatten alle einen Stock in der Hand und waren mit Tüchern wie Wanderer verkleidet. Die Schwestern freuten sich sehr, dass wir dabei waren und nach dem religiösen Teil aßen wir alle noch gemeinsam, bevor es wieder in die Kirche zur Anbetung ging, für Simone und mich ging es später am Abend dann doch ins Bett, die Schwestern beteten die Nacht in der Kirche durch.

Am Karfreitag arbeitete ich Vormittags noch, später ging es in den Gottesdienst, 3 Stunden volle Aktion – danach war ich sehr geschafft, allein die Kreuzesanbetung hat eine ¾ Stunde in Anspruch genommen – man kann schon von richtigen Menschenmassen sprechen die im Gottesdienst waren. Am Samstag spät Abends war die Ostermette. Den Ostersonntag verbrachten wir mit Nähen und Essen, nicht besonders aufregend, aber es tat gut einfach den ganzen Tag zu relaxen. Wir haben am Abend zuvor noch Eier gefärbt. Leider haben wir es geschafft gekochte und ungekochte zu mischen, umso mehr zum Lachen hatten wir beim Osterfrühstück als Simone sich ein Ei auf dem Kopf aufschlug, da es angeblich so Tradition ist, dieses aber ungekocht war!

Abends waren wir bei Father Denis zum Festessen eingeladen, unter anderem wollte er uns auch noch seine Priesteranwärter offiziell vorstellen. Wir hatten viel Spaß und mindestens zehn Töpfe auf dem Tisch stehen, dementsprechend gesättigt und zufrieden kamen wir Spätabends wieder nach Hause.

Heute war bei uns im Haus viel los; eigentlich stellten Simone, Annika und ich uns wieder auf einen chilligen Tag mit Essen und Nähen ein, doch letztendlich kam alles anders.

Nachmittag kam spontan unsere Freundin Nuru vorbei.

Später am Nachmittag kamen noch drei Schwestern zum Tee vorbei, unter anderem unsere Freundin/Sister Veronica, die wir schon in unserer Anfangszeit in Rulenge an kennengelernt haben (sie ist jetzt aber leider auf der Bibelschule), hat ihre Osterzeit in Rulenge verbracht und uns eben heute Zuhause besucht. Im nach hinein war die Kombination von Nuru, die gutes Englisch und natürlich Kiswahili spricht, und den Schwestern perfekt, weil sie so über eventuell aufkommende Sprachbarrieren hinweghelfen konnte.


Jetzt am Abend haben wir noch zusammen mit Nuru gekocht, es gab ein Festessen mit Hühnchen.

Alles im allen war es ein tolles Osterfest, leider ohne Nest, ohne Osternacht und ohne großes Osterfrühstück, aber wir haben unser bestes gegeben um es uns so schön und gemütlich wie möglich zu machen. Außerdem war es spannend das Fest hier im tansanischen Kontext miterleben zu dürfen.

Potpourri – Alkohol

8 Apr

Alkoholkonsum ist hier in Tansania, bzw. hier in meinem Dorf Alltag.

Über ein halbes Jahr wurde ich immer wieder mit exzessiven Alkoholkonsum konfrontiert. Die Menschen hier verstehen „Alkohol“ nicht.

Sie verstehen nicht das Alkohol ihren Körper schadet,

das Alkohol „giftig“ ist.

In Familienregie wird aus Mais, Kochbananen und Hirse verschiedenartige Biere und auch hochprozentiger Schnaps (bis zu 80% = gongo) gebraut. Diese selbstgebrauten Getränke, von der hiesigen Bevölkerung pombe (= Alkohol) genannt, sind die billigste Art und Weise sich einen Rausch anzutrinken. Sie sind auch sehr gefährlich, da nur selten abgekochtes Wasser benutzt wird und so alle im Wasser vorhandenen Bakterien und Krankheitserreger nicht abgetötet werden.

Safe alcohol“ in Flaschen von namhaften Brauereien wie „Serengeti“, „Safari“, „Kilimanjaro“, der Zuckerrohrschnaps „Konyagi“ (alc. 34%) oder Tütenschnaps ist für die normale Dorfbevölkerung nicht bezahlbar, nur Besserverdiener wie Ärzte, Anwälte und Politiker können sich diese Getränke leisten.

Es ist eine große Unkenntnis über Alkohol vorhanden, trotz der vielen Aufklärungsprogramme. In Rulenge wird regelmäßig im Krankenhaus über das Thema gesprochen, jeder schwangeren Frau wird ausdrücklich untersagt Alkohol zu trinken, trotzdem halten sich Frauen nicht daran oder viele denken, wenn sie das Kind geboren haben, können sie wieder trinken. Das das Kind aber auch durch die Muttermilch Alkohol mit aufnimmt können die Mütter meist nicht nachvollziehen. Hier mangelt es einfach an Education, fehlendes Körperverständnis und die Tatsache, dass Alkohol nicht sofort sichtbare Schäden anrichtet, sondern Langzeitfolgen hat, können die Menschen hier oftmals nicht verstehen.

Das Caritas-Projekt CBR, in dem auch meine Mitbewohnerin Annika arbeitet, verteilt regelmäßig Medikamente an Epilepsiepatienten, leider verstehen viele nicht, das man die Medikamente nicht zusammen mit Alkohol einnehmen darf.

Ein weiteres schockierendes Beispiel für die große Unwissenheit im Bezug auf Alkohol war, als wir mit einem tansanischen Freund zusammen nach Ngara in die nächste Stadt gefahren sind, um dort auf einen BDKJ-Kollegen zu treffen. Im Restaurant hat er sich 100ml Konyagi (=Schnaps) bestellt und getrunken, obwohl er zusammen mit uns danach noch nach Rulenge zurückfahren musste. Als wir ihn darauf angesprochen haben, das er mit dieser Menge Alkohol nicht mehr Autofahren dürfe, sagte er, er habe doch kein Bier getrunken sondern nur so eine kleine Menge Konyagi, das wäre ja viel weniger. Das es einen großen Unterschied zwischen Bier und Schnaps gibt wollte er erst nicht einsehen, letztendlich haben wir ihn dann doch überzeugen können.

Ein alltägliches Bild ist auch folgendes: In einem kleinen Buschdorf außerhalb von Rulenge an einem beliebigen Tag. Um die Mittags- und Nachmittagsstunden herum kommen Frauen mit ihren Kindern aus den Häusern heraus mit riesigen Eimern, mit einem Plastikbecher wird aus diesen Eimern das selbstgebraute Bier geschöpft und getrunken. Alle trinken mit – Männer, Frauen, Schwangere, Kinder. Es ist ein grausiges Bild, aber leider die Realität, natürlich gibt es auch Ausnahmen und dieses Bild ist sehr subjektiv – trotzdem schockierend.

Seit ich hier bin stelle ich mir aber immer wieder die Frage, gibt es hier in Tansania mehr Alkoholabhängige als in Deutschland? Wird mehr Alkohol in Tansania als in Deutschland konsumiert?

Natürlich sind wir in Deutschland aufgeklärter wenn es um Alkohol geht, dennoch oder gerade deshalb frage ich mich, warum in Deutschland so oft zu viel Alkohol konsumiert wird? – Wir wissen was Alkohol mit unserem Körper macht, viele Tansaner leider nicht.